Montag, 5. März 2018

Aufbruchsabschiedssentimentalität

Ich habe heute zwei besondere Momente in meinem Reisekoffer der Erinnerungen abgespeichert. Meine Mutter und die wohlmöglich zauberhaftesten 5jährigen Mädchen umringen mich. Ich spüre ihre guten Wünsche durch die Umarmung hindurch. Ortswechsel. In Berlin schließt mich mein Vater in die Arme. Und gibt mir die schönsten Worte mit auf Reisen. Er entlässt mich in meine Lernzone.
Ich soll nicht allzu sorglos sein. Doch genau das möchte ich: sorglos. Ich weiß, wie ihr es meintet. Für eure Sorgen Gedanken um mich, bin ich dankbar. Ich schätze sie. Und baue darauf. Dass ihr im Geiste bei mir seid, stärkt mich. Ich vertraue euch, denn ihr seid immer für mich da.
Ja, da waren Zweifel. Ich habe das einige Zeit anders empfunden. Gar Bestritten. Damals wollte ich nur die Minuten zählen, in denen ihr gerade in die andere Richtung geschaut habt. Nun ist mir klar geworden, dass ihr stets für mich da ward, wenn ich euch in großer Not gebraucht habe. Wo ich mich früher vernachlässigt behandelt gefühlt habe, stelle ich mir die Kunst vor, zu erkennen, woran das eigene Kind gerade so wachsen kann, ohne zu scheitern. "Wie hoch ist die verträgliche Dosis Abenteuer?" Mit einer Ahnung, wo die Grenzen verlaufen; auch die meiner persönlichen Panikzone. In Selbstverantwortung. Das verleiht Flügel. Ihr habt mich nicht fallen, nur fliegen lassen. Wie Reinhard Mey habe ich nie Abschied genommen, ohne zerrissen zu sein. Und einmal mehr wünschte ich, die Zeit wäre kurz stehen geblieben. Danke Mama. Danke Papa.


"Dein Lächeln hab ich tief in mein Gedächtnis geprägt.
Es wärmt mich in dunklen Zeiten und es leuchtet wie ein Licht."


Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich am Aeroporto Adolfo Suárez Madrid-Barajas. Der marmorierte Steinboden füht sich fast gemütlich an. Vor mir erstreckt sich eine von vielen amerikanischen Fastfood-Ketten. Das ungewöhnliche Innendesign besticht durch helle Holzpanele - wirklich hübsch anzusehen. Es kann jedoch nicht den ranzigen Geruch wettmachen. Morgen früh geht es weiter nach Kolumbien. Bis dahin gilt es, acht Stunden zu überbrücken. Im Internet hat ein bestimmt vertrauenswürdiger Anonymus vor ein paar Jahren festgehalten, dass es sich in der Departure Area ganz gut aushalten lässt. Über Nacht. Zum Übernachten. Gute Nacht. 
Träumt was Schönes. Ich komme in meinem Traum morgen an.



Buchtipp: "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" von Hermann Hesse

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